Werner Galabau
19.10.2017 20:16 Alter: 31 days
Kategorie: Energie und Biomasse
Erneuerbare Energien

EEG-Umlage sinkt, billigerer Haushaltsstrom aber nicht in Sicht


Die Umlage zur Förderung der Erneuerbaren Energien wird im Jahr 2018 um 1,3 Prozent sinken. Wie die Netzbetreiber 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW laut dem Presse- und Informationsamt der Bundesregierung mitteilten, wird die sogenannte EEG-Umlage genannt, im kommenden Jahr nur noch 6,792 Cent pro Kilowattstunde betragen. Das ist seit ihrer Einführung im Jahr 1998 erst das zweite Mal, dass die Ökostrom-Umlage sinkt. „Der Rückgang ist allerdings so gering, dass sich Haushaltskunden kaum Hoffnungen auf fallende Strompreise machen können“, teilte die Bundesregierung mit. Die EEG-Umlage wird als Differenz zwischen dem Preis, den Erzeuger für ihren Strom bekommen, und den garantierten Abnahmepreisen für Ökostrom berechnet. Je niedriger der Börsenpreis, den Energiekonzerne zahlen müssen, desto höher die Umlage.

Um die Höhe der EEG-Umlage festzulegen, schätzen die Übertragungsnetzbetreiber, welche Einnahmen und Ausgaben sich für sie für das folgende Jahr ergeben: wie viel Geld sie voraussichtlich im darauf folgenden Jahr an die Erzeuger von Ökostrom zahlen müssen und welche Summe sie für diese Energie an der Strombörse bekommen. Auf der Grundlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und der Ausgleichsmechanismus-Verordnung legen die Netzbetreiber die Umlage fest und veröffentlichen sie dann Mitte Oktober.

Netzstabilisierende Maßnahmen kosten

Hauptkostentreiber sind sogenannte netzstabilisierende Maßnahmen. Sie sind nötig, weil immer mehr Wind- und Sonnenstrom ins Netz drängt. Die Stromerzeugung aus diesen Quellen ist nur schwer kalkulierbar und erfordert kostenträchtige Ausgleichsmaßnahmen.

Immer wieder müssen die Unternehmen in den laufenden Netzbetrieb eingreifen, Reservekraftwerke einschalten und Windparks abregeln. Allein im vergangenen Jahr hat Tennet für netzstabilisierende Maßnahmen 660 Millionen Euro ausgegeben. Im ersten Halbjahr 2017 ist der Aufwand für netzstabilisierende Maßnahmen noch einmal deutlich gestiegen.

Wie die Bundesregierung mitteilte, machen netzstabilisierende Maßnahmen derzeit 60 Prozent der Netzentgelte aus. Weitere 25 Prozent Netzentgelte entfallen auf Investitionen für den Netzausbau. Laut Energiewende-Index der Firma McKinsey belaufen sich die Kosten für netzstabilisierende Maßnahmen mittlerweile pro Megawattstunde auf 7,34 Euro. Damit sich die Kosten seit dem Jahr 2014 rund verdoppelt. "Ein erheblicher Teil der EEG-Umlage besteht aus Kosten, die nicht über die Stromkunden getragen werden müssen - wie etwa die Ausnahmen für Industriebetriebe oder die Technologie-Entwicklungskosten für Offshore-Windkraft und Solar-Energie", so Patrick Graichen von der Initiative "Agora Energiewende".

EEG-Umlage hat sich stabilisiert


Bei ihrer Einführung vor 17 Jahren betrug die Umlage, die die Verbraucher über die Stromrechnung bezahlen, 0,19 Cent pro Kilowattstunde Strom. Seither stieg sie von Jahr zu Jahr. Besonders hoch fielen die Anstiege von 2010 auf 2011 und von 2012 auf 2013 aus. Deshalb hat die Bundesregierung das EEG im Jahr 2014 novelliert. Im Zuge dessen sank die Umlage 2015 erstmals, und zwar von 6,24 Cent auf 6,17 Cent. 2016 betrug sie 6,35 Cent pro Kilowattstunde, im laufenden Jahr 6,88 Cent.

Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2017 wird die Vergütung für den erneuerbaren Strom nicht wie bisher staatlich festgelegt, sondern durch Ausschreibungen am Markt ermittelt. Ende Juni hat der Bundestag die schrittweise, bundesweite Vereinheitlichung der Übertragungsnetzentgelte beschlossen. "Die Reform der Netzentgelte verringert regionale Unterschiede und schafft mehr Verteilungsgerechtigkeit. Für die Akzeptanz des Projekts Energiewende ist eine faire Verteilung auf alle Schultern entscheidend", so Bundeswirtschafts- und Energieministerin Brigitte Zypries.

So setzt sich der Strompreis zusammen

Die Bundesnetzagentur hat in ihrem Monitoringbericht 2016 aufgelistet, wie sich der Strompreis aktuell zusammensetzt. Demnach wird der Strompreis von folgenden Faktoren bestimmt:

  1. Kosten für Energiebeschaffung, Vertrieb und sonstige Kosten und Marge (insgesamt 20,5 Prozent);
  2. Steuern (23,2 Prozent): diese beinhalten Mehrwertsteuer (16 Prozent) und Stromsteuer (7,2 Prozent);
  3. Nettonetzentgelt (22,4 Prozent);
  4. Messung, Messstellenbetrieb und Abrechnung (2,9 Prozent)
  5. Abgaben/Umlagen:
  • Konzessionsabgabe (5,7 Prozent);
  • Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG-Umlage) (22,4 Prozent);
  • Umlage nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz KWKG (1,6 Prozent);
  • Umlage nach § 19 der Strom-Netzentgeltverordnung (1,3 Prozent);
  • Umlage Offshore-Haftung (0,1 Prozent).

cs/Bundesregierung/Perspektive-Mittelstand.de

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